Friedhelm Striepe

         

Geschichte der Hofstelle „Am Bevertal 13“ 

Die Geschichte beginnt um 1600 auf der Hofstelle Nummer 16 in Bevern. In dem sogenannten „Stader Register“ erhielt das Kloster Zeven von Clauß Ritzscher (Ritsch) 10 Himpten Roggen . Der Urhof befand sich   zwischen der heutigen Volksbank und der Sägerei Mügge.

In der Zeit zwischen 1648 (Ende des Dreißigjährigen Krieg) bis 1712 standen die Bewohner unter der Herrschaft der Schweden. Durch die hohe Steuerlast waren sie gezwungen durch Verkäufe von Butter, Dachstroh und Eisreet sowie durch Übernahme von Lohnarbeiten ihr Auskommen zu sichern. Das Leben zu dieser Zeit war sehr ärmlich und die Haltung von Bienen garantierte durch die Honigernte eine zusätzliche Kraftnahrung sowohl durch den Verzehr des „rohen“ Honigs als auch durch das Honigbier, welches selber hergestellt wurde. Auch eine Wirtschaft für Durchreisende und Beverner Einwohner war vorhanden. 1691 Wird berichtet, das dass geerntete Korn der Beverner Bauern bereits nach 4 Monaten aufgebraucht war und in den folgenden Jahren die Anbaufläche zurückging.

Die Feldmark war noch wenig urbar. Wald und Heide und die nassen Moore rund um Bevern waren in der Vorherrschaft. Schweine wurden mit Buchweizen und Eicheln gemästet. Die Kühe, Ziegen und Schafe fanden auf kargen Wiesen und Weiden sowie in der Heide ihr Futter. Getreide wurde überwiegend für den eigenen Bedarf angebaut da Brot zu dieser Zeit das Hauptnahrungsmittel war.

Im Jahre 1786 lebten folgende Personen auf dem Hof:

 Johann Ritsch,  53 Jahre

Anna Magarethe Ritsch geb. Vagts, 41 Jahre

Catharine Magarethe Ritsch, 18 Jahre

Johann Cord Ritsch, 16 Jahre

Anna Christine Ritsch, 8 Jahre

 Ab 1804 kam durch den Krieg mit Frankreich (Napoleon) wieder eine harte Zeit. Um die Kriegskasse gefüllt zu halten mussten Sondersteuern in Geld und Naturalien entrichtet werden. So wurden Grundsteuer, Personal- und Mobiliarsteuer, Fenster- und Türensteuer eingeführt. Die Herrschaft der Franzosen hielt bis Ende November 1813.

1842 wurde die Verkoppelung der Beverner Feldmark abgeschlossen. Das heißt, die Allmende wurde von steuerpflichtigem Grundbesitz abgelöst.

 Am 16.5.1882 brannte der Hof, wie 10 andere Gehöfte, nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. An diesem Tag waren alle beim Torfstechen im Moor. Im Dorf wurden zur Alarmierung die Kirchenglocken geläutet. Alle sahen die Rauchschwaden und machten sich sofort auf den Weg das Hab und Gut zu retten. Viel hatte das Feuer bei ihrer Ankunft nicht übrig gelassen. Nur das Vieh und einige Möbelstücke konnten gerettet werden. Mann kam vorerst bei Nachbarn unter und kaufte dann den Hof Nr. 36 von der Familie Willen, die nach Amerika auswanderte. Auch Johann Ritsch’s unverheirateter Sohn Jacob, geboren 14.8.1848, ist am 6. Mai 1873 von Hamburg nach New Jork ausgewandert.

 1886 lebten auf dem Hof Nr. 36 (Am Eichenhof 3) folgende Personen:

Engel Ritsch geb. Kackmann, geb. 29.7.1853 gest. 24.8.1932

Johann Hinrich Ritsch, geb. 27.4.1875 gest. 9.5.1956

Claus Ritsch,  8 Jahre

Jürgen Ritsch, geb. 27.10.1880 gest. 21.9.1962

Margarethe Metta Ritsch, 1 ½ Jahre

Johann Ritsch, Altenteiler, 80 Jahre

Johann Cord Ritsch, lediger Schneider, 50 Jahre

Gesche Ritsch, 29 Jahre

Karl Heinrich Ritsch, 23 Jahre

 

Johann Hinrich, der auch eine Zeit lang Bürgermeister und Standesbeamter in Bevern war, trat auf dem Hof die Erbfolge an, aus der Ehe mit seiner Frau Christine Katharina Margarete Ritsch geb. Borchers ging ein Sohn hervor, der bereits im Kindesalter verstarb. 1928 steht in der Schulchronik zu lesen, dass Johann Hinrich Ritsch durch energisches Eingreifen für die Vereinigung des Beverner Wald mit der Gemeinde Bevern sorgte.

Nach dem Tod von Johann Hinrich Ritsch erbte mein Vater den Hof und verkaufte die Hofstelle an die Familie Poppe.

Jürgen Ritsch, mein Urgroßvater, hatte sich 1908 mit seiner Frau Katharina Margareta Ritsch geb. Michaelis und derenTochter Katharina Ritsch die Hofstelle Nr.94 (Am Bevertal 13) aufgebaut und lebte hier als Anbauer und Imker und leitete als Haumeister die Geschicke im Beverner Wald.

Durch seinen Vater und seinen Großvater war Jürgen mit dem Umgang in Sachen Korbimkerei vertraut. Denn auch auf der Hofstelle Bevern Nr. 36 befand sich auf der Ostseite, geschützt durch eine Hecke, eine oder mehrere Lagten (Bienenzäune).

Ein teil der Bienen wurden ihm als Starthilfe überlassen. Auch bekam er Viehzeug mit auf dem Hof. Ich vermute, es waren ein oder zwei Kühe, Geflügel und ein oder zwei Schweine. Somit war der Grundstock für die Imkerei und Landwirtschaft gelegt. In den nun folgenden Jahren ist du Imkerei immer weiter ausgebaut worden. Bereits 1912 befanden sich ca. 150 Kastenvölker auf dem Hof. Die Anzahl an Korbvölker ist nicht eindeutig überliefert, es dürften aber 100 bis 200 Körbe gewesen sein. In diesem Jahr berichtete mein Urgroßvater am 4. August über die Scheibenhoniggewinnung mit Kastenvölkern vor den Mitgliedern des Bienenwirtschaftlichen Verein Bremervörde. Seit Beginn der Imkerei war Jürgen Ritsch bestrebt die Betriebsweise auf Kästen mit beweglichem Wabenbau umzustellen. Mit einem großen Teil der Völker wurde auf Leiterwagen und später auch mit der Bahn in die Obstblüte nach Kehdingen und ins Alte Land gewandert. Zur Nachschau der Völker fuhr man alle paar Tage mit dem Fahrrad zu den Bienen. Ein sehr beschwerliches Unterfangen, wen man bedenkt, dass die beiden Landstriche etwa 40 – 50 km entfernt liegen und die viele Wege nicht oder nur mit Kopfsteinpflaster befestigt waren.

Hauptsächlich wurden Scheibenhonig (Heidehonig in natürlichen Wabenbau), der in Pfundstücke aus den Waben geschnitten wurde, und Presshonig verkauft.

 Es gab zwar einen Hausverkauf, der größte Teil wurde jedoch an Aufkäufer abgegeben. Zu diesen gehörten unter anderem Georg Klintworth aus Langenfelde bei Meckelsen und Heinrich Holtermann aus Brockel bei Rotenburg.

1914 muß ein sehr erfolgreiches Honigjahr gewesen sein. Es wird berichte, dass im Schnitt 24 Pfund Press- und Scheibenhonig geerntet wurde, sowie 9 Zentner reines Bienenwachs.

Die Preise lagen für Scheibenhonig bei 1,20 Mark, bei Press- und Leckhonig 1,00 Mark und für Wachs wurde ein Preis von 1,45 Mark pro Pfund erzielt.

1915 wurde Jürgen Ritsch, wie viele andere aus Bevern, zum Kriegsdienst als Soldat eingezogen. Der größte Teil der Völker wurde verkauft und seine Frau bewirtschaftete den Hof mit der Tochter weiter. Durch den Krieg wird 1916 der Zucker rationiert. Von Amtswegen werden pro Volk 10 Pfund reinen und 10 Pfund mit Sand vergälltem Zucker abgegeben. Er kehrte 1918, nach kurzer Gefangenschaft, unbeschadet zurück und begann sofort mit dem Aufbau der Imkerei. In diesem Jahr bekommen Imker für je 5 Pfund an den Staat abgelieferten Honig 15 Pfund Zucker.

Ab1919 ist jeder Imker gezwungen pro Volk 2 Pfund Honig an den Staat abzuführen und wird zwangsweise in die Feuer-, Wasser- und Haftpflichtversicherung aufgenommen. 1920 trat er einer Wachsgenossenschaft bei, um einen höheren Preis für das begehrte Rohmaterial für Kerzen usw. zu erzielen. Diese geht nur wenig später Konkurs und die gemachten Einlagen sind futsch. 1922 müssen Völker an die Siegermächte abgegeben werden. Es wird jedes Volk mit 15 Pfund Zucker vergütet, für die eigenen werden 4 Pfund ausgegeben. Der Honigpreis liegt bei 150 Mark und am 24. Dezember brennt das erste mal eine elektrische Lampe in der guten Stube. Im November 1923 wird die Währungsreform bekannt gegeben. Als mein Großvater, Adolf Striepe, die Tochter des Hauses 27.9.1929 heiratete kam ein weiterer leidenschaftlicher Imker auf den Hof. Sein Vater Hermann Striepe, der als selbständiger Zimmermann und Tischler eine kleine Werkstatt in Plönjeshausen betrieb, hielt seit 1904 um die 90 Bienenvölker im Nebenerwerb.      In den Jahren 1950 bis 1960 schreitet die Urbamachung der noch vorhandenen Heideflächen mit großen Schritten voran. Die Lohnunternehmer mit den großen Dampfpflügen hatten alle Hände voll zu tun um den Bedarf der Landwirtschaft zu befriedigen. Durch den Rückgang der Heide wurde die Imkerei immer weiter verkleinert. Jürgen Ritsch, mitlerweile auf einem Auge erblindet, kam in ein Alter in dem ihm die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand ging und Opa, aus dem Krieg wohlbehalten zurückgekehrt, ging neben der Landwirtschaft wieder der Arbeit im Wald nach. Mein Vater begann nach dem Ende seiner Schulzeit intensiv die Landwirtschaft zu betreiben und hatte daher auch nicht die Zeit und auch wohl nicht die rechte Lust sich mit der Imkerei zu beschäftigen, was sich aber später ändern sollte. Mein Opa war in jungen Jahren als Fuhrmann für die Mühle in Plönjeshausen tätig und arbeitete ab 1929 als Waldarbeiter im Beverner Wald. So ließ sich die Imkerei mit der großen Zahl an Völkern gut betreiben. In den Wintermonaten war der Wald die Einnahmequelle und im Sommer brachten die Bienen das Geld ins Haus. 1931 wurde der Zucker durch den Wegfall der Zollfreiheit erheblich teurer, was zum Unmut der gesamten Imkerschaft führt. Schwärme ließen sich kaum verkaufen und somit wurden Völker nach der letzten Ernte im großen Stiel durch Schwefel abgetötet. 1933 wurde durch die Nationalsozialisten das Preismonopol durch die Imkervereine aufgehoben und der Preis vom Staat diktiert. Die Imkerei war in diesen Zeiten alles andere als einfach und so hatte der Hofgründer schon vor einiger Zeit begonnen Tabak anzubauen.

Tabak wird zum Trocknen aufgehängt

Ab diesem Jahr hatten die Völker auf Befehl der NS 8 Pfund mehr Honig zu bringen und eine größere Völkervermehrung hatte zu erfolgen um von der jährlichen Honigeinfuhr von 190.000 Zentner aus dem Ausland los zu kommen.  Zur Freude aller kam mein Vater, Erich Striepe, am 23.3.1934 zur Welt. In diesem Jahr mussten 5 RM an das Landesinstitut Celle bezahlt werden, da dieses in finanzielle Not geraten war. Der, von Jürgen Ritsch entwickelte „Ritschkasten“ erwies sich als zusätzliche Einkommensquelle und war in unserer Gegend weit verbreitet. Dieser wurde in einer kleinen Werkstatt am Haus gefertigt und war bei Imker sehr beliebt. Um 1910 stellte Jürgen Ritsch die Imkerei auf seine selbst entwickelten Ritschkästen um. Diese hatten 12 hängende Rähmchen im alten Badischen Maß und konnten von oben und von hinten bearbeitet werden. Zu Ertragszeiten standen Honigräume im halben Brutraummaß zur Verfügung. Gefüttert wurde in den Kästen mittels Futtertröge, die unterhalb der Glasscheibe eingeschoben wurden. Die Heidebienen wurden durch Schwärme vermehrt. Neben dem Vorschwarm vielen im Schnitt um 5 Nachschwärme. Die Völkerzahl wurde nach der Heidetracht stark reduziert und dank der Schwarmlust der Heidebiene nur eine verhältnismäßig kleine Zahl an Völker eingewintert. Neben dem Verkauf von Honig stand somit eine weitere Einnahmequelle zur Verfügung, der Verkauf von Bienen. Die Waldimker, wie z.B. im Schwarzwald, waren auf den Zukauf von Bienen angewiesen und nahmen das Angebot der Heideimker gern an. Die Völker der Waldimker konnten in der pollenarmen Tracht nicht genug Nachwuchs erzeugen und waren völlig Verbraucht. So war es meinen Ahnen möglich, sich von den überzähligen Völkern gewinnbringend zu trennen. Es wurde gegenüber den Jahren der Korbimkerei, als die Völker als Kunstschwärme ohne Wabenbau verkauft wurden, durch den Mobilbau im Badischen Maß ein besserer Preis erzielt. Das sprach sich unter den Imkern herum und Jürgen Ritsch produzierte seine Kästen nun auch für den Verkauf und sie waren in kürzester Zeit in unserer Gegend weit verbreitet. Neben der Heide, die immer weiter zurückgeht, und Buchweizen wird nun auch der Raps in Kehdingen angewandert. In den Jahren zwischen 1930 und 1945 war die Bienenkrankheit Nosema ein großes Problem. Immer wieder erkrankten Völker und gingen ein. Durch den stetigen Rückgang der Heidflächen wurde vom Imkerverein festgelegt, dass auf 2 Morgen Heidfläche nur 1 Volk Bienen zu kommen habe. Ab 1934 wird durch die NS die Wanderung mit Bienen vorangetrieben. Vor allem um den Honigertrag zu steigern.

1940 wird der Zucker wie folgt an die Imker ausgegeben, 5 Pfund im September und 5 Pfund im November. Hier wurden auch noch unterschiede gemacht. So wurden für ein Korbvolk insgesamt 10 Pfund und für ein Kastenvolk nur 5 Pfund abgegeben. Durch die späte Einfütterung geht ein Großteil der Völker zu Grunde. Somit auch die Völker, die mit Nigeriaköniginnen beweiselt waren und 8 RM gekostet hatten. Das Jahr 1940 war ein schlimmes Jahr. Die Heide war verregnet, Rankmaden hatten ebenso den Völkern zugesetzt wie der Bienenwolf. Letzteren sammelten Schulkinder und bekamen 2 Pfennig das Stück. Im Herbst waren dann auch noch 6 Pfund Honig abzuliefern, für den Zucker, den man im Frühjahr für die Bienen bekommen hatte. 1941 wurden die Völker durch den langen Winter geschwächt und es gab erneut eine Missernte. Das Jahr darauf wütete die Nosema und der Honigertrag war erneut äußerst gering. 1942 wird Adolf eingezogen und die Arbeit auf dem Hof lief mehr recht als Schlecht weiter.  Die Menge des abzuliefernden Honigs stieg ständig. So waren es 1943 3 kg, 1944 schon 6 kg. Für den Eigenverbrauch und den Verkauf war so gut wie nichts mehr übrig.

Nach Kriegsende war der Bezug des zum Einfüttern benötigten Zucker außerordentlich schwierig. Auch Holz zum Bau von Beuten war nur schwer zu bekommen. So behalf man sich und baute die Beuten aus Munitionskisten. Die Alliierten beschlagnahmten Wachs, Honig und die Völker durften nicht mehr als um 10% vermehrt werden. Doch diese erkannten schnell den Wert der Imkereiprodukte und so musste auch bei ihnen für Zucker Honig abgeliefert werden um der Not leidenden Bevölkerung als Kraftnahrung zu dienen.

Als im April 1945 das Lager in Sandbostel von den britischen Truppen befreit wurde, kam es kurze Zeit später zu einem Zwischenfall auf unserem Hof. Die ausgemergelten ehemaligen Häftlinge zogen durch die Dörfer und suchten bei den Bauern nach Essbarem. So kamen sie auch irgendwann zu uns. Die Frauen waren allein im Haus und mehr oder weniger schutzlos. Aus einiger Entfernung bemerkte Ur Opa die Eindringlinge und bewaffnete sich mit einem Bienenkorb, stramm gefüllt mit den nicht ganz so friedlichen norddeutschen Heidebienen. Er rief den Frauen von außen zu, sie sollten in Deckung gehen und warf den Korb durch das geschlossene Küchenfenster. Die Bienen machten das vermeintliche Ziel schnell aus und stachen auf die Eindringlinge ein. Diese verließen fluchtartig unser Anwesen und machten sich über die Speisekammer der Familie Pape her. Sie waren leider nicht im Besitz einer so eindrucksvollen Waffe und wurden erbarmungslos ausgeraubt.

Familie Wachs aus Norwegen

Ab 1949 fanden in dem zu der Zeit errichtetem „Behelfsheim“ immer wieder Heimatvertriebene eine Heimat auf Zeit. So auch die Familie Groß und Möbius und eine Familie Wachs, die nach Norwegen auswanderte. Später diente das Haus als Schweinstall und Pferdestall. Und wird wohl demnächst abgerissen. In den Jahren vor dem Bau des Hauses waren die Heimatvertriebenen mit im Wohnhaus untergebracht, was aber auf Dauer keine Lösung war. Die Vertriebenen wurden den Bauern vom Bürgermeister zugeteilt und jeder war zur Aufnahme verpflichtet. Auch Dienstmädchen waren immer wieder auf dem Hof. Meist blieben sie bis zu ihrer Heirat und arbeiteten im Haushalt und auch in der Landwirtschaft. So auch Fräulein Herzlieb, deren Sohn bei uns geboren ist. Auch die Hochzeit wurde auf unserem Hof gefeiert. Durch den Verkauf der geerbten Hofstelle Bevern Nr.36 wurde meinem Vater 1956 der Bau einer Scheune mit Schweinestall ermöglicht und der erste Schlepper wurde angeschafft. So bekam auch die Landwirtschaft einen neuen Schwung. 1958 heiratete Erich seine Herta, die eine kleine Tochter mit in die Ehe brachte.

Schwarmzeit ist gleich Heuzeit, was bedeutet, während alle auf den Wiesen sich um das Heu kümmerten, schwärmten zu Hause die Bienen. Das hatte zur Folge, dass nicht wenige Schwärme das Weite suchten und sich so der Obhut meines Großvaters entzogen. Jürgen Ritsch versuchte die schwarmwilligen Völker zu Überlisten. Er baute sich eine Vorrichtung mit der die Schwarmkönigin am Ausfliegen gehindert wird. Ohne Königin kehrt jeder Schwarm in den Kasten zurück. Die Vorrichtung wurde einfach vor dem Flugloch des schwarmwilligen Volkes angebracht. Der abgehende Schwarm bemerkt die fehlende Königin und kehrt zum Kasten zurück und findet die Chefin in ihrem Gefängnis und sammelt sich dort. So konnte der Scharm in den Korb gestoßen werden und die Königin aus der Vorrichtung kam dazu. Am 21.9.1962 verstarb der Hofgründer und die Bienen wurden nun von meinem Großvater allein versorgt. 1962 tritt Adolf Striepe dem Imkerverein Bremervörde bei und hielt ab den 60er Jahren im Schnitt zwischen 10 und 20 Völker in Blätterbeuten, die zum Teil von meinem Urgroßvätern stammten aber auch solchen, die er durch Zukauf erwarb. Die Betriebsweise änderte er nur wenig. Der Ritschkasten ist zu dieser Zeit aus den meisten Imkereien verschwunden und durch Freudensteiner -u. Blätterbeute in unterschiedlichen Varianten ersetzt worden. Den Sommer über wurden reichlich Schwärme eingefangen und sorgten so für eine natürliche Verjüngung der Völker. Die noch verbliebenen Körbe leisteten hier noch ihren Dienst als Schwarmfangkörbe.

Mein Start als Imker

Völkerüberhänge  wurden verkauft. Meist an den Berufsimker Klintworth in Langenfelde, aber auch an Imkerkollegen aus dem Verein. Scheibenhonig konnte nur noch selten geerntet werden und somit wurde mehr und mehr der Honig geschleudert. Statt Scheibehonig verkauft Opa nun Wabenhonig, der oft nachgefragt wird. Wabenhonig ist im Prinzip das gleiche wie Scheibenhonig doch der Name ist geschützt, da Scheibenhonig nur Heidehonig enthalten darf. Zum Teil wird der Honig an der Haustür oder an Abfüller (Großhändler) verkauft und zu Festlichkeiten in der Verwandtschaft verschenkt. Zucker für die Völker muss nun selbst besorgt werden. Oftmals wurde so genannter Fegezucker angeboten. Der stammte aus den Häfen Bremen, Bremerhafen oder Hamburg. Dieses war Zucker aus Säcken die beim Löschen beschädigt wurden und ausliefen. Er wurde zusammengefegt und billig an Imker abgegeben. Meist schlossen sich Imker zusammen und orderten eine größere Menge um so noch einen Rabatt zu erzielen. 1958 absolvierte mein Großvater Adolf noch seine Facharbeiterprüfung zum Waldarbeiter um sich die Ansprüche gegenüber der Rentenkasse zu sichern. Am 27. Oktober 1960 erblickte ich das Licht der Welt. In jungen Jahren gab es nichts schöneres, als meinem Opa die Imkerpfeife am Ausgehen zu hindern. 1964 folgte ein weiterer Meilenstein in unserer Landwirtschaft, der neue Kuhstall mit Lagerfläche für Heu auf dem Boden wurde an die Scheune angebaut. Hierzu sind vom Stall- und Wohngebäude ca. 4 Meter abgerissen worden um dem neuen Stall die entsprechende Fläche zu bieten. Nach damaligen Gesichtspunkten modern eingerichtet mit Milchkammer, Anbindevorrichtungen für 9 Milchkühe, Jungvieh und Kälberboxen. Das einzubringende Heu ist mit dem schon vorhandenen Heugebläse auf den Boden geblasen worden. Die Jauche wurde mit einer Förderpumpe aus der 12 m³ fassenden Jauchekuhle in ein 1250 Liter fassendes Fass gepumpt und auf die Wirtschaftsflächen ausgebracht. Als jugendlicher rückte Opas Bienenzucht immer mehr in den Hintergrund und er betrieb sein Hobby im Stillen weiter. Ich half ab und zu den geschleuderten Honig zu verstauen oder beim Einfangen von Schwärmen.

  Im darauf folgenden Jahr wurde Adolf Striepe die silberne Ehrennadel des Deutschen Imkerbundes verliehen was wiederum ein erfreuliches Ereignis in seinem Imkerleben darstellte. 1989 starb Adolf Striepe und mein Vater führte die Imkerei weiter. Er, der vorher nichts mit Bienen am Hut hatte, entwickelte sich schnell zum Insider und trat ebenfalls dem Imkerverein Bremervörde bei. Er beschäftigte sich mit einschlägiger Literatur und lernte schnell, dass zu einer modernen Imkerei die Zucht von Königinnen gehört. Leider verstarb er nur zwei Jahre später nach kurzer schwerer Krankheit. Nun war es an mir, die Tradition fortzuführen und die Imkerei zu übernehmen. Ich besinnte mich auf das, was ich so aufgeschnappt hatte und begann mit der Durchsicht der Völker.

Dies tat ich mit einer gewissen Blauäugigkeit und verließ mich zu sehr auf die immer wieder beschriebene Sanftmütigkeit der Bienen. Als ich das letzte von 12 Völkern öffnete schlug mir eine Welle stechwütiger Teufelsbienen entgegen. Mein Versuch die Königin zu finden beendete ich schnell und in wilder Hast verschloss ich den Kasten. Nun war erstmal guter Rat teuer. Manfred Kranz, ein alter Freund meines Vaters und schon jahrelang Imker, wurde zu Rate gezogen. Mit ihm gemeinsam wurden das Bienenvolk ins Minstedter Moor gebracht. Am folgenden Tag unternahm ich erneut den Versuch die Königin ausfindig zu machen. Scheinbar aus dem Tag davor nichts gelernt zu haben zog ich meinen Overol und die Bienenhaube über und machte mich ans Werk. Das Volk schien an Angriffslust noch dazu gewonnen zu haben. Es hagelte nur so Stiche. Jede Möglichkeit wurde erbarmungslos wahrgenommen und ich flüchtete. Da sich die Angreifer bereit auf dem gesamten Areal  verteilt hatten blieb nur die Flucht durchs Unterholz. Unterweg entledigte ich mich der Haube und des Anzugs und versuchte ohne Stiche das Auto zu erreichen. Nur noch mit Unterhose bekleidet kam ich dann zu Hause an. Den Anblick, den ich meiner Frau dann bot, wird sie wohl nie vergessen. Die Arme und Beine dick geschwollen, das Gesicht bereits entstellt. So wurde dann nach einigem hin und her der Arzt aufgesucht. Dieser, ein Allergologe, hatte an diesem Tag bereits einen Patienten mit Wespengiftallergie ins Krankenhaus eingeliefert und nun kam ich. Mittlerweile hatte ich mich, dem Aussehen nach, in einen Neandertaler verwandelt und mein Erscheinen löste sofort eine erkennbare Unruhe beim Arzt aus. Auf die Frage, was ich denn gemacht habe, schilderte ich den Hergang und die ungefähre Anzahl der erhaltenen Stiche. Die Unruhe des Arztes schlug um in eine Art von Fassungslosigkeit und er wollte mich ebenfalls sofort ins Krankenhaus einweisen. Dieses lehnte ich aber strickt ab und forderte stattdessen ein Medikament zur Abschwellung. Er ließ sich überzeugen und mit dem Hinweis „auf eigene Gefahr“ konnte ich die Praxis wieder verlassen.

 

Bienenschauer 1980

Mittlerweiler war das Wetter umgeschlagen und die Bienen hatten sich in der ausgeräumten und nicht verschlossenem Blätterstock zu einer Traube zusammen gezogen. Noch dem Abtöten der Königin habe ich das Volk dann besser geschützt mit einem anderen vereinigt und nach einigen Wochen war von der Angriffslust nichts mehr zu spüren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar die Fachlektüre meines Vaters ausgiebig studiert, fühlte mich aber noch immer etwas unbeholfen. Ich entschloss mich an einem Anfängerkurs geleitet von Karsten Frömming aus Hemsbünde teilzunehmen. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe. Sein umfangreiches Fachwissen und sein Imkern in Magazinbeuten führten zu einer Umstellung der bis dahin auf unserem Hof geltenden Betriebsweise. Kurzerhand wurden Segeberger Magazine angeschafft und die Bienen umquartiert. Durch die Freiaufstellung der Völker imkerte es sich viel leichter und aus der ursprünglich empfundenen Traditionspflege wurde Leidenschaft.

 

Ein Bienenschwarm wird eingefangen

 

  1992 trat ich ebenfalls dem Imkerverein Bremervörde bei und absolvierte den Honiglehergang, ohne den kein Honig im Einheitsglas des Deutschen Imberbundes verkauft werden darf.